Was ist ein wettbewerbsorientierter Dialog?
Der wettbewerbsorientierte Dialog ist ein EU-weites Vergabeverfahren, das speziell für komplexe Aufträge entwickelt wurde, bei denen der öffentliche Auftraggeber nicht in der Lage ist, die technischen Mittel oder die rechtlichen oder finanziellen Bedingungen im Voraus zu definieren. Das Verfahren ermöglicht es, im Dialog mit ausgewählten Teilnehmern zu einer optimalen Lösung zu gelangen.
Wann anwenden?
Der wettbewerbsorientierte Dialog darf verwendet werden, wenn mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:
- Technische Komplexität: Der öffentliche Auftraggeber kann die technischen Spezifikationen nicht präzise genug definieren.
- Rechtliche Komplexität: Die rechtliche Struktur des Projekts lässt sich nicht einfach festlegen.
- Finanzielle Komplexität: Die Finanzierungsstruktur erfordert maßgeschneiderte Lösungen.
- Innovation: Der Auftrag erfordert innovative Lösungen, die nicht im Voraus spezifiziert werden können.
Typische Anwendungen:
- Große IT-Projekte (ERP-Systeme, digitale Transformation)
- ÖPP-Konstruktionen (Öffentlich-Private Partnerschaft)
- Komplexe Infrastrukturprojekte
- Gebietsentwicklung
Prozessschritte
Phase 1: Auswahl
Vergleichbar mit dem nicht-öffentlichen Verfahren:
- Veröffentlichung der Bekanntmachung auf TenderNed
- Interessenten reichen eine Teilnahmebereitschaftserklärung ein
- Mindestens 3 Teilnehmer werden für den Dialog ausgewählt
Phase 2: Dialog
Dies ist das einzigartige Element dieses Verfahrens:
- Dialoggespräche: Der öffentliche Auftraggeber führt Gespräche mit jedem der ausgewählten Teilnehmer.
- Vertraulichkeit: Informationen eines Teilnehmers dürfen ohne Zustimmung nicht mit anderen Teilnehmern geteilt werden.
- Gleichbehandlung: Alle Teilnehmer erhalten die gleichen Informationen über Anforderungen und Kriterien.
- Iterativ: Es können mehrere Dialogrunden stattfinden.
- Abschluss: Der Dialog wird abgeschlossen, sobald der öffentliche Auftraggeber eine oder mehrere Lösungen identifiziert hat.
Während des Dialogs werden Aspekte besprochen wie:
- Technische Lösungsansätze
- Risikoallokation
- Finanzierungsmodelle
- Vertragliche Bedingungen
- Planungs- und Realisierungsansatz
Phase 3: Angebot
Nach Abschluss des Dialogs:
- Die Teilnehmer werden eingeladen, ein endgültiges Angebot einzureichen.
- Das Angebot muss auf der Lösung basieren, die während des Dialogs präsentiert wurde.
- Klarstellungen sind zulässig, wesentliche Änderungen jedoch nicht.
- Der öffentliche Auftraggeber darf nach der Angebotsphase nicht mehr verhandeln.
Phase 4: Bewertung und Zuschlag
- Bewertung auf Basis der vorab bekannt gegebenen Zuschlagskriterien.
- BPKV ist das übliche Zuschlagskriterium.
- Standstill-Frist von 20 Kalendertagen.
- Vertragsschluss.
Zeitplan
| Phase | Durchlaufzeit |
|---|---|
| Vorbereitung | 8-12 Wochen |
| Auswahlphase | 6-8 Wochen |
| Dialogphase | 8-26 Wochen |
| Angebotsphase | 4-8 Wochen |
| Bewertung | 4-8 Wochen |
| Standstill + Vertrag | 4-6 Wochen |
| Gesamt | 34-68 Wochen |
Beachtungspunkte
- Geistiges Eigentum: Schützen Sie den innovativen Beitrag der Teilnehmer.
- Vergütung: Erwägen Sie eine Vergütung für die Teilnehmer aufgrund des hohen Aufwands.
- Dokumentation: Halten Sie alle Dialoggespräche in Protokollen fest.
- Gleichbehandlung: Gewährleisten Sie, dass alle Teilnehmer die gleichen Informationen erhalten.
Quellen
- 1.Mogelijke aanbestedingsprocedures — PIANOo
- 2.Aanbestedingswet 2012 (wettekst) — Overheid.nl — wetten.nl
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Zuletzt aktualisiert am 11. Juni 2026
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