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Marktkonsultation: Wann und Wie?

Eine Marktkonsultation hilft öffentlichen Auftraggebern, den Markt vor einer Ausschreibung zu sondieren. Erfahren Sie, wann und wie Sie eine Konsultation organisieren.

TenderView.ai8. Juni 20269 Min. Lesezeit

Was ist eine Marktkonsultation?

Eine Marktkonsultation ist ein strukturierter Austausch zwischen einem öffentlichen Auftraggeber und dem Markt vor einem Vergabeverfahren. Das Ziel ist es, Informationen über verfügbare Lösungen, Marktbedingungen und die Machbarkeit von Anforderungen und Wünschen zu sammeln. Marktkonsultationen sind gemäß Artikel 2.25 des Aanbestedingswet 2012 gesetzlich zulässig.

Wann eine Marktkonsultation durchführen?

Eine Marktkonsultation ist in den folgenden Situationen besonders wertvoll:

Bei komplexen Aufträgen

  • Wenn der öffentliche Auftraggeber über unzureichende Kenntnisse der verfügbaren Lösungen verfügt
  • Bei technisch komplexen Aufträgen, bei denen mehrere Lösungsrichtungen möglich sind
  • Bei Aufträgen, die Innovation erfordern

Bei unbekannten Marktbedingungen

  • Wenn Sie nicht wissen, wie viele Anbieter auf dem Markt aktiv sind
  • Bei dem Verdacht auf begrenzten Wettbewerb
  • Wenn Preisniveaus unbekannt sind

Bei politischen Änderungen

  • Bei der Einführung neuer Nachhaltigkeitsanforderungen
  • Wenn Sie SROI-Verpflichtungen aufnehmen möchten
  • Beim Übergang zu einem neuen Vertrags- oder Beschaffungsmodell

Nicht erforderlich bei

  • Standardbeschaffungen, bei denen der Markt gut bekannt ist
  • Wiederholungsaufträgen mit bekannten Spezifikationen
  • Aufträgen mit geringem Wert

Rechtlicher Rahmen

Artikel 2.25 Aanbestedingswet 2012

Das Gesetz erlaubt Marktkonsultationen ausdrücklich, sofern:

  • Der Wettbewerb nicht eingeschränkt wird
  • Der Grundsatz der Transparenz und der Grundsatz der Gleichbehandlung eingehalten werden
  • Keine Partei einen Informationsvorsprung bei der späteren Ausschreibung erhält

Rechtsprechung

Die Gerichte haben in mehreren Urteilen bestätigt, dass Marktkonsultationen zulässig sind, setzen jedoch Grenzen:

  • Das Ergebnis darf nicht darin bestehen, dass das Leistungsverzeichnis maßgeschneidert auf einen Teilnehmer zugeschnitten ist
  • Alle aus der Konsultation gewonnenen Informationen, die für die Ausschreibung relevant sind, müssen geteilt werden
  • Teilnehmer an der Konsultation dürfen nicht von der Ausschreibung ausgeschlossen werden (es sei denn, eine ungleiche Behandlung kann nicht verhindert werden)

Formen der Marktkonsultation

1. Schriftliche Konsultation über TenderNed

Die am häufigsten verwendete Form. Der öffentliche Auftraggeber veröffentlicht eine Marktkonsultation auf TenderNed mit:

  • Einer Beschreibung des beabsichtigten Auftrags
  • Spezifischen Fragen an den Markt
  • Einer Frist für die Einreichung von Antworten

Vorteile: Große Reichweite, transparent, niederschwellig, dokumentiert Nachteile: Begrenzte Tiefe, kein Dialog möglich

2. Treffen oder Informationsveranstaltung

Ein gemeinsames Treffen, zu dem Marktteilnehmer eingeladen werden:

  • Präsentation der Pläne durch den öffentlichen Auftraggeber
  • Möglichkeit zur Stellungnahme von Fragen
  • Plenardiskussion über Machbarkeit und Engpässe

Vorteile: Interaktiv, Möglichkeit zur Vertiefung, Networking Nachteile: Weniger geeignete Parteien erreichen, Gruppendynamik kann bremsen

3. Einzelgespräche (One-on-Ones)

Bilaterale Gespräche mit einzelnen Marktteilnehmern:

  • Tiefgehende Besprechung spezifischer Lösungen
  • Vertrauliche Informationen können geteilt werden
  • Strukturiert über einen vorab erstellten Fragebogen

Vorteile: Tiefe, vertraulich, spezifisch Nachteile: Zeitintensiv, Risiko des Anscheins eines Vorteils

4. Request for Information (RFI)

Eine formelle Informationsanfrage an den Markt:

  • Strukturierter Fragebogen
  • Oft inklusive der Bitte um eine Demonstration oder Präsentation
  • Kann mit einem Markttag kombiniert werden

Schritt-für-Schritt-Plan für eine Marktkonsultation

Schritt 1: Ziel festlegen

Formulieren Sie klar, was Sie erreichen wollen:

  • Welche Informationen benötigen Sie?
  • Welche Entscheidungen müssen auf Basis der Ergebnisse getroffen werden?
  • Welche Fragen möchten Sie beantwortet wissen?

Schritt 2: Fragen formulieren

Stellen Sie gezielte, offene Fragen:

  • Ist der beschriebene Bedarf erkennbar und realistisch?
  • Welche Lösungsrichtungen sieht der Markt?
  • Was sind realistische Durchlaufzeiten und Preisniveaus?
  • Welche Anforderungen sind verhältnismäßig und welche nicht?
  • Gibt es innovative Alternativen?

Schritt 3: Veröffentlichung

  • Veröffentlichen Sie auf TenderNed für maximale Reichweite
  • Geben Sie mindestens 2-3 Wochen Antwortzeit
  • Geben Sie deutlich an, dass es sich um eine Marktkonsultation und nicht um eine Ausschreibung handelt

Schritt 4: Antworten auswerten

  • Analysieren Sie alle Antworten systematisch
  • Identifizieren Sie gemeinsame Themen und abweichende Erkenntnisse
  • Ziehen Sie Schlussfolgerungen für die Vergabestrategie
  • Dokumentieren Sie die Ergebnisse

Schritt 5: Rückmeldung

  • Geben Sie die Ergebnisse an die Teilnehmer zurück (optional, aber empfohlen)
  • Veröffentlichen Sie eine Zusammenfassung bei den Ausschreibungsunterlagen
  • Halten Sie fest, wie die Konsultation die Vergabestrategie beeinflusst hat

Häufige Fehler

  1. Zu spätes Starten: Beginnen Sie die Konsultation weit vor der geplanten Veröffentlichung der Ausschreibung
  2. Zu breite Fragen: Stellen Sie spezifische, gezielte Fragen, die tatsächlich Input liefern
  3. Keine Rückmeldung: Teilnehmer schätzen es, wenn sie erfahren, was mit ihrem Input geschehen ist
  4. Leistungsverzeichnis durch Teilnehmer schreiben lassen: Dies führt zu einem unfairen Vorteil
  5. Vertrauliche Informationen teilen: Teilen Sie niemals Informationen einer Partei mit einer anderen

Quellen

  1. 1.Aanbestedingswet 2012 (wettekst)Overheid.nl — wetten.nl
  2. 2.Aanbesteden — onderwerpRijksoverheid.nl

Zuletzt aktualisiert am 11. Juni 2026

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